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Lektion 7 - Bedürfnisse, Werte und Willenskraft
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Bedürfnisse, Werte und Willenskraft

Ziele: 
  1. Ein Bedürfnis- und ein Wertewissen aufzubauen und den Unterschied zu kennen.
  2. Die Bedürfnisse bei sich selbst und bei anderen ablesen zu können.
1 Bedürfnisse, Werte und Willenskraft
     
1.1 Die Welt der Bedürfnisse und der Willenskraft
     1.2 Was ist ein Bedürfnis?
     1.3 Stand der Forschung: vom Motiv zum Erfolg
     1.4 Unterschied: Bedürfnis, Verlangen, Mögen, Willenskraft
     1.5 Fünf wichtige Submodalitäten von Willensstärke
     1.6 Wie lässt sich feststellen, wie willensstark ein Mensch ist? 
     1.7 Unterschied: Bedürfnis und Wert
     1.8 Gerechtigkeit versus Fairness und Gleichwürdigkeit

     1.9 Maslow‘sche Bedürfnispyramide
   1.10 Die vier Grundbedürfnisse nach Friedemann Schulz von Thun
   1.11 Neun Grundbedürfnisse nach Manfred Max-Neef
   1.12 Wie kannst du deine Batterie aufladen und deine Willenskraft stärken?
   1.13 Wie verbrauchst du deine Batterie und damit deine Willenskraft schwächen?


2 Training I
  
 2.1 Was liest du aus dem Kapitel heraus?
   2.2 Training zu den fünf Submodalitäten der Volition
   2.3 Willenskraftstärkung und Willenskraftschwächung reduzieren


3 Werte 
  
 3.1 Was sind Werte?
   3.2 Wie sind Werte?
   3.3 Werte können von Regeln und Normen abgegrenzt werden. Was ist der genaue Unterschied?
   3.4 Warum sind Werte wichtig und wie werden sie erkannt?
   3.5 Wertekategorien
   3.6 Ausdruck der Werte auf verschiedenen Ebenen
   3.7 Persönliche Ebene - das individuelle Wertesystem
   3.8 Was tun Werte auf der persönlichen Ebenen?
   3.9 Kollektive Ebene 
   3.10 Antonyme Werte und Unwerte


   Erklärix-Video: Wertentwicklungsquadrat

4 Training II
   
 4.1 Gegenwerte körperlich spüren
    4.2 Wertestern gestalten
    4.3 Über Werte sprechen und Gegenargumente finden
    4.4 Bedürfnis- und Wertetraining: Unfairness inkludieren


5 Werte- und Bedürfnisbewusstsein - was bringt uns dieses Wissen?


PDFs über "Werte und Bedürfnisse"

 Literaturverzeichnis

Pflichtlektion 7
 
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1 Bedürfnisse, Werte und Willenskraft

1.1 Die Welt der Bedürfnisse, der Willenskraft und der Werte

„Die Leute sollen aufhören, ihre Eltern oder die unbewussten Anteile ihrer Seele für ihre Schwierigkeiten verantwortlich zu machen; sie sollten aufhören, sich selbst als Opfer ihrer Erziehung zu verstehen. Stattdessen sollten sie sich klarmachen, wie sie durch ihre unerfüllten Wünsche, durch ihre nicht zum Ausdruck gekommenen Wertvorstellungen und durch ihre Werte-Konflikte in Schwierigkeiten geraten“ (Reiss 2010, S. 14).

Die Grundlage für die Werteerziehung und für eine globale Werteethik sind die Bedürfnisse und die Volitionen (Willenskraft) von einzelnen Menschen, von Gruppen bzw. von anderen Kulturen und Nationen. 


Viele kennen die Differenzierung zwischen ihren Bedürfnissen und die Willenskraft, die folgen muss, um die Motivationen ihrer Bedürfnisse umzusetzen kaum. Der Unterschied von Bedürfnis und Willenkraft kann man mit einer einfachen Metapher auf den Punkt bringen: Die Motivation des Bedürfnisses ist der Motor und die Willenskraft ist der Treibstoff. Ohne "Treibstoff", kann das Bedürfnis nicht umgesetzt werden.

Bei der Werteerziehung geht es darum, dass die Bedürfnisse (Motive) von möglichst vielen berücksichtigt werden. Es gilt stets abzuwägen und zu versuchen, einen Mittelweg zu finden, indem einmal die Bedürfnisse des einen und dann die Bedürfnisse des anderen bzw. abwechselnd im Mittelpunkt stehen. Deshalb beschäftigen wir uns zunächst mit den individuellen und kollektiven Bedürfnissen, die intrinsisch oder extrinsisch motiviert sind. Doch die Motive allein reichen nicht aus. Wer kennt das nicht?

Wir haben das Bedürfnis etwas tun und dennoch tun wir es nicht oder nur sehr zögernd. Was ist mit unserem Bedürfnis, dass erfüllt werden möchte? Was passiert im Gehirn? Wir haben ein Leistungspotenzial in uns, das entweder intrinsisch (interne Standards, Bedeutungen, Flow) oder extrinsisch motiviert (externe Standards, Anforderungen, Erwartungen ...) ist. Hier wird ein Bereitschaftspotenzial* freigesetzt. Damit das Bedürfnis umgesetzt wird und zum Ergebnis kommt, braucht es ein Ziel, ein Plan und eine Aktion. Zur Steigerung der Selbstwirksamkeit kann man noch Feedback einfordern in Bezug auf die interne und externe Standards. Wenn das positiv bzw. konstruktiv ausfällt, dann sind die Menschen zufrieden. 

Nach der Individualpyschologie A. Adlers und A. H: Almaas („Existentielle Selbstverwirklichung“, 1987) hat jeder „Ursprungswunden“ bzw. eine „Kernkränkung“ erlitten und so entstehen die unterschiedlichen Gefühle eines „Mangellochs“ bzw. von mehreren Mangellöcher aufgrund unerfüllter oder übererregter Bedürfnisse. Durch die Ursprungswunden haben Menschen nicht gelernt mit Feedback umzugehen, und leiden, wenn es negativ ausfällt. Viele Menschen sind es auch nicht gewohnt, positives Feedback anzunehmen. Dies zu lernen, steigert die intrinsische Motivation.

Durch die Existenz der "Mangellöcher" hat jeder in unterschiedlicher Art und Weise nicht genug von etwas abbekommen, oder auch zu viel von etwas erhalten, was zur Folge hatte, sich nicht anstrengen zu müssen, weil sowieso alles da ist. Was besser oder schlechter ist, ist nur individuell abzumessen. Nicht genug zu bekommen, könnte sich in Sehnsüchte nach Verbundenheit, Geborgenheit, Wahrgenommen-, Gesehen- und Gehörtwerden u.a. in einer ungesunden Art und Weise artikulieren. Dadurch entwickeln sich mit der Zeit unbewusste abweisende Reaktions- und Verhaltensmuster eingefärbt mit entsprechenden Kommunikationsmustern, die einen verinnerlichten oder einen veräußerlichten Adultismus beherbergen, die nicht der Gemeinschaft oder der Selbstverwirklichung dienen.

Die funktioniert im Gehirn nach dem "TOTE-Prozess" (Test-Operate-Test-Exit): Das energetisch Erfahrene wird so lange wiederholt, bis es generalisiert und mit den Glaubenssätzen internalisiert wird. Unbewusste Glaubenssätze (elektro-chemische Energiemuster) können jedoch wieder bewusst gemacht werden und durch neue TOTE-Prozesse anders beschrieben werden (Plastizität des Gehirns). 



Es braucht hier die Bereitschaft und die Selbstverantwortung jedes einzelnen, was auch immer ihm in der Vergangenheit widerfahren ist.

Im Training wird nicht nach der „Schuld“ gefragt, sondern nach der nicht gelebten Sehnsucht und Resonanz sowie nach den Kompetenzen und intrinsischen Absichten (positive Wertekommunikation). Es wird auch nach den Herausforderungen gefragt, die noch zu meistern sind. Stelle dir die Frage: "Was sind die Aufgaben des anderen-neuen Lernens?", "Welche Strategie brauche ich, um die Herausforderung zu meistern?" Jeder hat einen Angstgürtel: "Wie bin ich ohne den Angstgürtel?", "Welche Möglichkeiten würden sich auftun, wenn er weg wäre?", "Was wäre, wenn du dich entscheidest, dass er gerade jetzt weg ist?" ...

Methoden zur Unterstützung der Bedürfnisfindung gibt es das Werte- und Bedürfnisausbildungsheft: „1777 Werte und Bedürfnisse“ – Die positive Wertekommunikation“. Darüber hinaus gibt es viele Methoden zur Bedürfnisfindung und Glaubenssatzänderungen im Praxisbuch: „Fühlen, was wir brauchen – die Praktische Inklusive Kommunikation“ oder im "Methodenbuch" und in allen 10 Ausbildungsheften.

Jeder IST-Zustand lässt sich so korrigieren – je nach Ausprägung und nach Einsatz ist es mal mehr oder weniger effektiv. Jeder hat eine eigene Verantwortung in Bezug auf sein Leben und seine Bedürfnisse und jeder auch die Verantwortung, dass seine bedeutungsvolle Bedürfnisse erfüllt werden.


1.2 Was ist ein Bedürfnis?

Viele glauben zu wissen, was ein Bedürfnis sei, bis sie es formulieren wollen. 

Was sie dann formulieren, ist oft die negative Strategie ihres Bedürfnisses. "Ich habe das Bedürfnis mich zu rächen." Bedürfnisse sind lebensdienlich. Sich rächen zu "müssen", ist definitiv lebensdienlich. Doch wie kommen wir dahin, unsere wahren Bedürfnisse zu spüren?

Zunächst etwas Theorie: In der Psychologie wird Bedürfnis oft definiert als das, Erleben eines Mangels verbunden mit dem stark ausgeprägten Wunsch (Motivation) diesen Zustand des Mangels zu beheben. Es ist das Verlangen (innere Not / Druck) einen empfundenen oder tatsächlichen Mangel schnellst möglichst Abhilfe zu schaffen. Hier wird noch nicht genau Unterschieden zwischen Verlangen und Wollen.

Doch prinzipiell greifen Motivationstheorien zu kurz. Traditionelle Motivationstheorien unterstellen, dass Motive Handlungen anregen und bis zu deren Abschluss aufrecht erhalten. Dies ist definitiv nicht der Fall und das kennt jeder aus seiner Alltagserfahrung. Wie oft wollen wir etwas und tun es nicht? Viele beschreiben eine Motivation als ein Zustand des zielgerichteten Verhaltens, das den Handlungen Richtung, Intensität, Umsetzung und Dauer verleiht. Meistens scheitert es schon an der Richtung und es kommt nicht einmal zur Umsetzung. Deshalb widerspricht diese Auffassung nicht nur der Alltagserfahrung, sondern auch den neuen Forschungsergebnissen, die diese Differenzierung unter die Lupe genommen haben.

In vielen Lebensbereichen und auf Managementebene ist es notwendig, gerade gegen bestimmte Bedürfnisse (Motive), Ambivalenz- und Unlustgefühle zu handeln sowie auch widerstrebende Absichten und Zielkonflikte zu überwinden. Jean-Paul Broonen weist darauf hin, dass selbst Patienten mit starken Schmerzen einerseits eine starke Motivation haben, ihren Schmerz zu lindern, anderseits sich jedoch nicht in der Verfassung fühlen, ihre Motivation der Schmerzlinderung in konkrete Handlungsziele zu formulieren und diese zur Umsetzung zu bringen. Z. B. Übungen konsequent und für eine bestimmte Zeit durchzuführen, auch wenn es Schmerzen bereitet.

Es fehlt schlussendlich die Willenskraft (Volition), um diesen Schmerz durch Schmerz zu überwinden. Meine Großmutter sagte immer: Schmerz muss Schmerz vertreiben. Es fehlt die bewusst gesteuerte Absicht in der präfrontalen Kortex, die Motivation aus dem Unbewussten in die Tat umzusetzen. Deshalb ist es notwendig, gerade die Willensstärke zu trainieren, denn die Motivation ist ja oft vorhanden. 
Angelehnt an: www.willenskraft.net von Prof. Dr. Waldemar Pelz.

Menschen sind neben eudaimonische auch lustbetonte Wesen. Das sind zwei sich widersprechenden Eigenschaften. Sobald sie ihre Bedürfnisse spüren, wollen sie diese schnellstmöglich befriedigt haben. Ein Kind kommt auf die Welt und muss schreien, damit es seine Bedürfnisse befriedigt bekommt. Wenn das Umfeld geduldig ist, kann das Kind lernen, seine Bedürfnisse zu spüren und sie in Willenskraft umzusteuern, zu regulieren und sie auch mal ohne großes Geschrei hinten an zu stellen. Wir sind nicht allein auf dieser Welt mit Bedürfnissen, sondern andere haben auch Bedürfnisse und es gilt das Gesetz des Austarierens und des Priorisierens.

Deshalb ist der ganze Komplex der Bedürfnisse spannend und herausfordernd zugleich. Noch beeindruckender ist die Art der Umsetzungsstrategien, denn diese scheinen ebenso unendlich zu sein. Hier ist es nur von Bedeutung, darauf zu achten, dass die Strategie lebensdienlich und nicht lebensfeindlich ist und mit wohlwollender Willenskraft umgesetzt wird. Ein Willenskraft, die zum Schaden der eigenen Person (zu perfekt) und zum Schaden von anderen (Unterdrückung anderer zu meinem Wohle) eingesetzt wird, ist ebenso verhängnisvoll und widerspricht unserem wahren Bedürfnis nach Gemeinschaft, Frieden und Übereinkommen auch bei Widersprüchen.

Nehmen wir mal das Wort Bedürfnis auseinander: Das Wort „Bedürfnis“ kommt von Bedarf. Etwas fehlt. Bedürfnisse entstehen aus dem Mangelgefühl heraus und dem gleichzeitigen Drang, diesen möglichst bald beseitigen zu wollen, um sich wieder erfüllter und befriedigter zu fühlen. Im Wort Befriedigung steckt der innere Frieden, den wir wieder in uns spüren wollen, sobald ein oder mehrere Bedürfnisse befriedigt sind. Das Gegenteil von Mangel ist Fülle. Es ist etwas, was uns durchströmt. Etwas was wir wollen und vielleicht nicht dürfen –  ist doch das Wort „dürfen“ ebenso im Wort Bedürfnis enthalten.

Unter Bedürfnis wird eine Intention, eine Disposition, ein Motiv, ein Wunsch, Verlangen, Erwartungshaltungen und Ansprüche (wachsende Bedürfnisse) oder etwas Materielles bzw. zum Leben dringend Notwendiges verstanden (existentielle oder biologische Bedürfnisse). Essen, Trinken und Schlafen sind für den Menschen lebensnotwendige Bedürfnisse. Das Bedürfnis (Wunsch) nach Kleidung, Wohnung, Auto sind Sicherheitsbedürfnisse, jedoch nicht lebensnotwendig.

1.3 Stand der Forschung: vom Motiv zum Erfolg

Der Neurologe Hans Kornhuber (1928 – 2009) hat mit der Entdeckung des Bereitschaftspotentials im Jahr 1965 den wissenschaftlichen Grundstein gelegt. Es ist eine der wenigen deutschen wissenschaftlichen Leistungen, die in der internationalen Forschungsgemeinschaft anerkannt wurden. 

Nach dem heutigen Stand der Forschung läuft dieser Prozess, physiologisch gesehen, zunächst im Gehirn ab, noch bevor der Mensch aktiv wird. Daher auch die Frage: Gibt es den freien Willen? Oder wird alles schon unbewusst vorbereitet? Dabei werden nach Rainer Klinke und Patrick Haggard folgende Phasen unterschieden:

  1. Die erste Phase ist die innere Motivation, der Antrieb, ein Ziel erreichen zu wollen. Die Motivation kann intrinsisch oder extrinsisch sein (Handlungsbereitschaft).
  2. Um diese Motivation, diesen Antrieb, diese Quelle der Idee umzusetzen, erstellt das Gehirn unbewusst einen Bewegungsplan (Handlungsentwurf).
  3. Und unter Berücksichtigung der situativen Rahmenbedingungen folgt darauf die Auswahl eines Bewegungsprogramms, das den größten Erfolg im Hinblick auf das Ziel verspricht (Handlungsprogramm).
  4. Schließlich kommt es zum Befehl, das die Ausführung des Handlungsprogramms auslöst.
  5. Während des gesamten Prozesses führt das Gehirn unbewusst, vorbewusst und bewusst "Erfolgskontrollen" durch, um evtl. dagegen lenken zu können.
1.4 Unterschied: Bedürfnis, Verlangen, Mögen, Willenskraft

Verlangen ist nicht Willenskraft. Denn die Willenskraft, tut auch etwas gegen die eigenen Vorlieben. Ich habe keine Lust es zu tun und tue es dennoch mit positiver Energie. Verlangen (WOLLEN) ist ein Trieb, der sich jedoch nach persönlichen Vorlieben richtet. Das Verlangen unterscheidet sich auch von etwas zu mögen, weil es gerade nicht gut für meine Gesundheit oder für die Gemeinschaft ist. Ich mag nicht rauchen, doch das Verlangen ist zu groß, sprich die Willenskraft zu klein.

Das Verlangen besteht zwar aus „WOLLEN“ und „MÖGEN / LIEBEN“. 


WOLLEN etwas mit einer Sache zu tun hat, während MÖGEN / LIEBEN hat etwas mit sich selbst zu tun: Z. B. sich selbst einen Gefallen zu bereiten, sich selbst etwas zu gönnen (Wellnesswochenende).

In beiden Fällen werden Neurotransmitter eingesetzt. Bei lebenswichtigen Aktivitäten und Motiven überschneiden sich WOLLEN und MÖGEN (essen, schlafen …). Ein Süchtiger jedoch kann seine Droge WOLLEN, ohne sie jedoch zu MÖGEN, weil er weiß, dass er seinen Körper damit zerstört.

Bedürfnisse sind zwar auch wie das Verlangen Triebe, jedoch sie sind überlebensnotwendige, lebensdienliche und gerade deshalb für uns selbst und für die Gemeinschaft bedeutungsvolle Motive. Ein Verlangen kann krankhaft sein, muss auch nicht bedeutungsvoll für mich selbst und der Gemeinschaft sein und ist nicht überlebensnotwendig, auch wenn Menschen das Gefühl haben, sie könnten nicht ohne. Etwas zu vermeiden, kann auch in ein Verlangen ausarten.


Die Willenskraft hat etwas damit zu tun, dass ich z. B. mein Verlangen nach Zigaretten zurückstecken kann, weil das Bedürfnis zu überleben und mein Wert Gesundheit für mich gerade eine hohe Priorität hat.
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

Ich lerne meine Bedürfnislandschaft kennen, um sie positiv zu benennen.

Ich spüre immer mehr und mehr auch in einer Konfliktsituation meine wahren Bedürfnisse.
Ich erkenne auch die Bedürfnisse in mir an, die ich noch nicht wahrhaben will (Beispiel: Raum einnehmen, Sichtbarkeit, ... wenn ein Mensch z. B. schüchtern ist, glaubt er nicht im Mittelpunkt stehen zu wollen).
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Verankere die beiden Meta-Sätze:
 Ich sorge ab heute gut für meine Bedürfnisse und sehe auch die Bedürfnisse der anderen.
Fülle deine Werte mit Liebe, ohne sie zu überziehen.
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1.5 Fünf wichtige Submodalitäten von Willensstärke

Angelehnt an Dr. Waldemar Pelz:
  1. Fokussierung auf das Wesentliche statt verzetteln
  2. Mobilisierung mentaler Energie statt emotionaler Stress und Schmerz
  3. Vorausschauend planen, Hindernisse mit hinzurechnen und handeln statt „Niagara-Syndrom“
  4. Vertrauen auf eigene Stärken und Kreativität statt Angst und Überlastung. Inklusion der Angst, wenn sie da ist, und es dennoch tun.
  5. Selbstdisziplin durch tieferen Sinn statt innerer oder äußerer Zwang.
1.6 Wie lässt sich feststellen, wie willensstark ein Mensch ist?

Willenskraft als Ganzes ist schwer fassbar. Deshalb wird die Willenskraft in Teilkompetenzen (Submodalitäten / Faktoren) untergliedert. Jede Submodalität ist durch konkrete Verhaltensbeschreibungen (Items) operationalisierbar. Dadurch kann  im Alltag beobachtet werden, wie oft jemand diese Verhaltensweisen praktiziert. Eine sehr objektive Einschätzung der Willenskraft entsteht, wenn diese Verhaltensweisen von anderen Personen sogar beurteilt werden. Möglich ist dies mit einem wertschätzenden 360-Grad-Feedback. D. h. jeder gibt jedem Feedback. Doch dazu braucht es eine aufbauende wertschätzende und inklusive Haltung. Mehr dazu später in Lektion: "Transkulturelle Haltung". 


Als RESCUE -Trainer ist es wichtig, diese Haltung zu entwickeln und einzuverleiben, um sie vermitteln zu können.

1. Aufmerksamkeitssteuerung und Fokussierung auf das Wesentliche
Umsetzungsstarke Menschen mobilisieren ihre Energie durch eine konsequente Fokussierung auf klare Ziele und Visionen, die sie aus ihren authentischen Werten herleiten. Das gibt ihnen die Kraft, zahlreiche Herausforderungen zu überwinden und zu meistern. Sie steuern somit auch bewusst ihre Bedürfnisse, ohne zu leiden.


2. Emotions- und Stimmungsmanagement 

Wer über eine hohe Willenskraft (Volition) verfügt, kann sich sehr gut in eine positive Stimmung versetzen und schöpft daraus Kraft.  Er ist darüber hinaus in der Lage, konstruktiv mit unstimmigen und stimmigen Gefühlen umzugehen. Ihm werden die unstimmigen bewusst und er bricht sie in stimmige herunter, um seine Bedürfnisse zu finden und sie auszudrücken. Die Bedürfnisse wahrzunehmen ist schon der erste Schritt, auch wenn sie nicht gleich erfüllt werden. Das ist der große Unterschied zu vielen anderen Menschen, die ihre Bedürfnisse nicht wahrnehmen. Menschen mit einem guten Stimmungsmanagement lassen sich von dem Prinzip leiten, dass Wohlfühlgefühle bei der Umsetzung von Absichten und Zielen helfen. Zudem können sie sich gut in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer hineinversetzen (haben eine gute Theory of Mind), aber auch Empathie und Mitgefühl und können deren Verhalten deshalb gut antizipieren bzw. verstehen. Gerade ihre "soziale Empathie" ist gut ausgeprägt. Sie können sich vorstellen, wie bestimmte Gruppen sich fühlen und was sie brauchen. 

3. Selbstvertrauen durch Selbstwirksamkeit 

Willenskraft hängt stark mit der Selbstwirksamkeitsüberzeugung zusammen. Das gibt Selbstvertrauen und stärkt die Manifestationskraft. Umsetzungsstarke Menschen sind sich ihrer Kompetenzen bewusst und vertrauen auf diese aus tiefsten Herzen. Sie kennen ihren Weg, auch wenn sie sich noch auf Umwegen befinden. So finden Mittel, um Schwierigkeiten zu überwinden und um gestärkt aus der Herausforderung herauszukommen. Sie reframen Widerstände und Probleme und so werden diese als machbar empfunden und verstanden.


4. Vorausschauende Planung und Problemlösung statt "Feuerwehrprinzip"

Menschen mit großer Willenskraft sind pro-aktiv und vorausschauend. Sie erledigen Unangenehmes unmittelbar, statt es „auszusitzen“. Sie treffen Entscheidungen und lieben keine Aufschieberitis. Danach können sie gut genießen. Oder sie gönnen sich ganz bewusst eine Auszeit und erledigen dann alles danach sehr zügig. Unter Planungsvorbereitung verstehen sie in erster Linie nicht die Voraussage der tatsächlichen Zukunft, sondern sie wissen, dass alles ungewiss ist. Sie bereiten durch die Vorbereitung ihre ungewisse Zukunft vor.


5. Zielbezogene Selbstdisziplin ohne Zwang zu empfinden

Menschen mit hoher Willenskraft erkennen früher als andere, was in einer Situation notwendig ist und was nicht. Sie können eine Planung effektiver abschließen und setzen ihre Erkenntnisse konsequent und logisch-kreativ um. Sie verfügen über ein hohes Maß an Selbstdisziplin und -kontrolle und können plötzliche Impulse, Ablenkungen bzw. "süße" Verlockungen wirksam aufschieben und sich von diesen positiv abgrenzen. Sie können gut Nein sagen, wenn es ihnen nach Nein sagen ist. Es gibt keine Jeins (siehe entsprechende Lektion). Die Selbstdisziplin resultiert nicht aus einem selbst auferlegten Zwang. Vielmehr spüren sie den tieferen Sinn in dem, was sie tun und Ablenkung führt sich davon weg. Sie geben ihre Selbstwirksamkeit nicht auf Kosten von fremder Ziele so schnell auf. Zumindest nicht, ohne es abzuwägen. Sie können schnell Entscheidungen treffen, sich jedoch auch umentscheiden, wenn es sein muss.

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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

 Ich erkenne immer mehr den Unterschied zwischen Bedürfnissen und Werte.

Ich achte darauf, meinen Werte im Einklang mit meinen Bedürfnissen zu leben.
Ich orientiere mich nach den Werten, die wir in einer Gesellschafft für eine gutes Zusammenleben brauchen.
 Ich richte meine Werte nach meinen wahren kollektiven und individuellen Bedürfnissen. 
 Ich bin glücklich, wenn ich meine Bedürfnisse und Werte kenne und auch dafür sorge, sie zu leben.
 Ich habe die Verantwortung mir m eine Bedürfnisse zu erfüllen und meine Werte zu beachten.
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1.7 Unterschied: Bedürfnis und Wert

Werte werden von außen als Standards festgelegt, damit das Zusammenleben funktioniert.
Sie sind nicht immer deckungsgleich mit unseren aktuellen individuellen oder kollektiven Bedürfnissen. Beispiel: Der Wert „Pünktlichkeit“ muss nicht gerade meinem Bedürfnis nach Verlässlichkeit entsprechen, wenn wir z. B. müde sind und deshalb länger schlafen möchten. Menschen stecken jedoch für das gemeinsame Wohl gerne auch mal eigene Bedürfnisse zurück bzw. sie „müssen“ es sogar, ansonsten würde das Zusammenleben durch Egomanie zusammenbrechen. Wer das jedoch dauerhaft tut und nicht auf seine Bedürfnissen Rücksicht nicht, wird krank und lebt nicht salutogen.


Des Weiteren: Grammatikalisch betrachtet sind Werte Nominalisierungen von statisch gewordenen Verben. Das Verb ,gesund leben‘ wird zur Lebensqualität: Gesundheit. Der Wert ,Gesundheit‘ hat einen sehr hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft und entspricht selbstverständlich auch dem Bedürfnis des einzelnen ausreichend Zeit für die körperliche Genesung zu erhalten und für seine Gesundheit sorgen zu können. Doch kann das in einer Gesellschaft die auf Leistung und Gewinnmaximierung aus ist immer gewährleistet werden? Gesundheit ist also eine intrinsische, stark besetzte, energetische Disposition (Bedürfnis), weil sie der Weiterexistenz dient, aber auch gesellschaftlich ein hoher Wert aufgrund der Leistungserwartung. 

Beim Wert ,Gesundheit‘ treffen die kollektiven Erwartungen mit den individuellen Impulsen aufeinander. Es fühlt sich mit der Zeit für den einzelnen nicht mehr stimmig an, wenn wir einen Arbeitgeber haben, der nur auf Leistung fixiert ist, und den Wert ,Gesundheit‘ so hoch ansetzt, dass Mitarbeiter sich nicht mehr erlauben, krank zu sein. Wenn jedoch die Willenskraft "Leistung zu erbringen" und "Ergebnisse zu erzielen" zu hoch ist, dann geht es auf Kosten des intrinsischen Bedürfnisses seine Gesundheit zu erhalten. Auch hier gilt. Die Aktionsbereitschaft etwas zu tun, sollte den Mittelwert von Leistung erbringen und Gesundheit erhalten sich bewegen. Dann geht es dem Menschen gut. Alles andere verrutscht in Aktionismus und am Ende im Burnout.

Zusammenfassung: Ein Wert ist manchmal gleich einem Bedürfnis und manchmal nicht. Wenn Menschen sich mit den von außen gesetzten Werten identifizieren, dann können sie dennoch konträre Bedürfnisse regulieren und steuern. Werte nur einzuhalten, weil andere dies verlangen, frustriert auf Dauer. Die eigenen Bedürfnisse werden unterdrückt und mit negativen Strategien und Verhaltensmuster erfüllt, dennoch machen diese auf Dauer, die Menschen krank und nicht gesund, weil sie damit unzufrieden sind. Am glücklichsten sind Menschen, wenn sie sich ihre Bedürfnisse erfüllen, weil auch ihre Werte ihren intrinsischen und extrinsischen Motiven entsprechen und mit dem passenden Willenskraftziel, -plan -programm umgesetzt werden (Verschmelzung).


Siehe Bild: Der Wertefilter und die Bedürfnisquelle können ineinander verschmelzen oder kollidieren. Der Druckpunkt entsteht, wenn das Motiv (Bedürfnis) mit dem Wert kollidiert. Der zufriedene Verschmelzungspunkt entsteht, wenn Motiv und Wert übereinstimmt, dann kann das für uns bedeutungsvolle Aktionspotenzial am besten umgesetzt werden. Neueste Forschungen behaupten, dass es von der Volition abhängig ist, ob die Bedürfnisabsichten am Ende umgesetzt werden und die Umsetzung ist weniger abhängig vom passenden Schmelzpunkt (Bedürfnis = Wert).


Deshalb ist es wichtig, in den Trainings die Volition zu stärken anstatt nur die Bewusstwerdung der Motivation. Die Motivation alleine reicht nicht aus, um glücklich und zufrieden zu sein.

Erst wenn wir es geschafft  haben, in einem kalten See zu schwimmen, weil wir uns aufgerafft haben, gegen die Strategie der Bequemlichkeit zu handeln, sind wir glücklicher und zufriedener, weil wir die Komfortzone verlassen haben.

Braucht der Mensch, um glücklich zu sein, nur eine hohe Volition, die noch von Empathie und Selbstempathie getragen ist? Diese unbändige Volition, die Dinge umzusetzen, um zu wachsen?

1.8 Gerechtigkeit versus Fairness und Gleichwürdigkeit

Ist Gerechtigkeit ein Bedürfnis oder ein nicht zu verwirklichender Wert in einer noch stark leistungsbetonten Gesellschaft?

Die „Werteliste“ nach Katterfeld und Vogel (1998) zählt Gerechtigkeit, Gehorsam und Unterordnung als Wert für die Werteerziehung in Bildungseinrichtungen auf. Diese Werte als absolut zu betrachten, wäre fatal: Siehe Arno Gruen: „Wider dem Gehorsam“. Unterordnung und Anpassung nicht um jeden Preis und ebenso, wenn jemand ständig wegen Ungerechtigkeit-Gerechtigkeit streitet, gibt es auch keinen Frieden. 

Unterordnung kann manchmal das Gebot der Stunde sein, jedoch auf Dauer bringt es keinen Segen. Deshalb wäre der Wert „Partielle Unterordnung“ denkbar, und auf der anderen Polseite die „Positionierung der eigenen Werte bei Wertedifferenzen“ viel stimmiger. Mittelwerte bringen mehr Frieden hervor, als auf einseitige Werte zu pochen. „Willst du recht haben oder glücklich sein?“ sagt, Kelly Bryson, ein Vertreter der Gewaltfreien Kommunikation nach M. B. Rosenberg.

Unterschiedliche Lebensumstände führen zu unterschiedlichen Interpretationen von Werten: Nehmen wir den Wert ,Gerechtigkeit‘. Wie oft hören wir die Aussage: „Was ist schon gerecht?“ Das, was wir für uns als gerecht empfinden, entspricht unserem Bedürfnis nach Fairness, Chancengleichheit, Gleichwertigkeit oder Gleichwürdigkeit. Dies stimmt nicht immer mit dem kollektiven, gesellschaftlich-idealisierten Wert der ,Gerechtigkeit‘ überein. Aus vielerlei Gründen gibt es keinen definierten Wert von Gerechtigkeit, weil wir nach dem jetzigen Entwicklungsstand es kein Recht auf Arbeit oder das Recht auf ein Mindesteinkommen bzw. auf Gleichverteilung der Güter gibt. 

Die Realität sieht anders aus. Aus marktwirtschaftlichen und auch ethischen Gründen gibt es (noch) keine Gerechtigkeit, weil jeder mit anderen Anlagen und in anderen kulturellen Lebenswelten aufwächst. Ist es gerecht, dass in manchen Ländern immer noch Frauen unterdrückt werden und schwarze Menschen weniger Bildungschancen haben? Oder ist es gerecht, dass jemand unverdient Millionen auf dem Konto hat (Kinder reicher Eltern) und ein anderer ein Leben lang für sehr wenig Geld arbeitet und dann in der Altersarmut landet? Ob jemand fair behandelt wird oder Bildungschancen hat, hängt noch zu stark davon ab, in welchem Land er geboren wird.

Solange das gesellschaftliche Bewusstsein fehlt, dass jeder ein Recht auf Fairness und Gleichwürdigkeit hat, wird es Ungerechtigkeit und Unterdrückung geben. Ob wir es je schaffen, den Wert Gerechtigkeit für alle zu erfüllen, bleibt ungelöst. Dennoch haben wir das Bedürfnis nach Fairness und wir bestrafen auch andere altruistisch, wenn sie unfair waren. Jemand, unabhängig von Status, Bildung und Ort gleichwürdig zu behandeln, wäre schon ein großer Schritt in Richtung Gerechtigkeit. Ein Recht auf Würde zu verwirklichen, kann ein Recht auf eine faire und mäßige Verteilung der Güter nach sich ziehen. Die Welt produziert so viel, dass jeder satt werden könnte.
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1.9 Maslow‘sche Bedürfnispyramide

Die Pyramide ist eine spätere Interpretation der Arbeit von Maslow. Viele berufen sich auf sie. Sie wurde erst 1970 in seinem Todesjahr bekannt. Die Pyramidendarstellung verleitet zu einer statischen Sicht auf das Maslow‘sche dynamische Modell. Die Annahme, die Bedürfniskategorien seien streng nach einander folgend bzw. diskret angeordnet, ist falsch. So hat es Maslow nie gesehen. Häufig reicht jedoch schon ein Befriedigungsgrad von 70 % oder weniger aus, um das nächsthöhere Bedürfnis in den Vordergrund treten zu lassen. Der empfundene Sättigungsgrad variiert zudem stark mit den individuellen Erwartungen von Menschen. Ein Student, der noch nicht seine existentiellen Bedürfnisse befriedigen kann, weil er keine Mittel hat, kann sich durchaus ehrenamtlich engagieren. 


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1.10 Die vier Grundbedürfnisse nach Friedemann Schulz von Thun

Die vier Grundbedürfnisse werden hier nur kurz anhand eines Bildes vorgestellt. Mehr zu Schulz von Thun und seine Modell in Modul 2.


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1.11 Neun Grundbedürfnisse nach Manfred Max-Neef

Der Ökonom und Bedürfnisforscher Manfred Max-Neef sieht Bedürfnisse nicht nur als Mangel, sondern gleichzeitig auch als individuelle und kollektive menschliche Potenziale. 

Es ist das Konzept der Interaktion fester Grundbedürfnisse. Im Unterschied zur traditionellen Auffassung, dass menschliche Bedürfnisse unbegrenzt seien, ständigen Wandlungen unterworfen und sich von einer Kultur zur anderen veränderten und in jeder historischen Entwicklungsphase unterschiedlich seien, geht Max-Neef davon aus, dass die menschlichen Grundbedürfnisse begrenzt (stillbar), zahlenmäßig gering und klassifizierbar, weil sozial-universal (unabhängig von Person, Ort, Kultur, historischer Epoche) – sind. Sie stünden miteinander in einer Wechselbeziehung und interagierten (wikipedia).

Der Bedürfnisbegriff, dem die Termini Motiv und Motivation (Psychologie) angehören, ist ebenso der Rahmenbezugspunkt in philosophischen und wirtschaftswissenschaftlichen Darbietungen.
Nach Max-Neef ist die Bedürfnisbefriedigung ein dynamischer Prozess, der sich durch Gleichzeitigkeit, Komplementarität und Kompensation (Trade-off) darstellt.

Dieser dynamische Prozess findet auf unterschiedlichen Niveaus und mit unterschiedlicher Intensität statt. 
Der Bedürfnisprozess wird im dreifachen Kontext ausgelebt:

  1. Beziehung mit sich selbst (Eigenwelt)
  2. Beziehung mit der sozialen Gruppe (Mitwelt)
  3. Beziehung mit der Umwelt.

Bedürfnisgerecht zu kommunizieren, bedeutet seine Bedürfnisse zu spüren und sie in positive Worte zu packen. Nach Max-Neef sind die Grundbedürfnisse auf der ganzen Welt gleich, nur die Art wie sie befriedigt werden (satisfyer), ist unterschiedlich. Ein Bedürfnis wird auch als energetischer Lebenstrieb oder Lebensmotiv bezeichnet. Aufgrund von Erfahrungen werden den Bedürfnissen unterschiedliche Bedeutungen gegeben, die unsere Glaubenssätze beeinflussen. Sie haben eine emotionale Besetzung und sie wollen grundsätzlich befriedigt werden. Es braucht den Lustzugewinn, um den Mangel weniger oder nicht mehr wahrzunehmen. Erst wenn der Mangel gestillt (beseitigt) ist, fühlen sich die Menschen wieder erleichtert. Viele Menschen kennen ihre Bedürfnisse nicht und unterscheiden auch nicht diesem vom Verlangen. Dennoch ist es wichtig, Bedürfnisse auch aufschieben zu lernen. Es können nicht immer sofort alle Bedürfnisse befriedigt werden. Wer in Glückserwartung lebt, seine Bedürfnisse zeitnah und angemessen zu erfüllen, ist ein zufriedener Mensch. Menschen, die immer nur zurückstecken, spüren ihre Bedürfnisse nicht und werden immer frustrierter.

Er schlägt für eine Taxonomie der menschlichen Grundbedürfnisse folgende neun axiologische Wertkategorien vor:
  1. Subsistenz 
  2. Schutz
  3. Zuwendung
  4. Verständnis (Verstehen, sich entwickeln)
  5. Partizipation
  6. Muße (Entspannung, Spiel)
  7. Kreativität
  8. Identität
  9. Freiheit
1. Subsistenz
Die Bedürfnisse bestehen durch sich selbst und für sich selbst. Hier geht es um Überleben, um die materielle Lebensgrundlage und Lebenserhaltung. Es ist das Bedürfnis nach: körperlich und geistig gesund sein und bleiben, mit sich selbst im Gleichgewicht sein, Nahrung und Wohnung, sich fortzupflanzen und ein passendes Lebensumfeld zu haben ...

2. Sicherheit und Schutz 
Hier geht es mehr als nur ein Dach über den Kopf zu haben. Es gut um das Bedürfnis nach Bindung, Mitgefühl, Fürsorge, Geborgenheit und Solidarität zu erfahren und soziale Sicherheit und Struktur zu haben. Aber auch mit der Zeit abgesichert zu sein (Krankenversicherung und Ersparnisse, Vorsorge treffen) sowie um Rechte zu haben und sie auch einzufordern. Mit anderen kooperieren und sie unterstützen ...

3. Liebe und Zuneigung  
Hier ist das Bedürfnis nach Liebe, Zuwendung, Selbstachtung, Solidarität, Respekt, Anerkennung, Partnerschaft, Familie, Freundschaft, Wertschätzung, Gefühle und Bedürfnisse haben und ausdrücken dürfen ...

4. Verstehen und Verständnis  

Hier geht es darum, in der Sache verstanden zu werden. Aber auch das Bedürfnis nach Neugier, Vernunft, Forschung, Analysieren, Lernen, Ausbildung und andere auszubilden ist hier enthalten ...

5. Partizipation

Bedürfnis nach: sich anpassen; Solidarität zu erleben und zu leben; sich engagieren; Leidenschaft haben; Verantwortung und Pflichten übernehmen; etwas leisten; mit anderen kooperieren; etwas zustimmen; Meinungen austauschen, sich mitteilen; mitbestimmen; einer Gemeinschaft angehören (Partei, Kirche, Gemeinde, Nachbarschaft, Familie)

6. Muße und Müßiggang (Idleness) 
Bedürfnis nach Bescheidenheit, Gelassenheit, Einfachheit, Naturerfahrung, Ruhe und Beschaulichkeit, Kontemplation und Sorglosigkeit, sich Phantasien hingeben und tagträumen, Spielen mit Lernfreude, Spaß haben und Feiern, sich an Vergangenes erinnern, die Freizeit planen und genießen ...

7. Kreativität
Bedürfnis nach: etwas schaffen oder erfinden; sich beschäftigen; Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen; produktiv sein; Rückmeldungen erfahren, freie Zeit haben und darüber verfügen ...

8. Identität
Bedürfnis nach sich empathisch abzugrenzen, Selbstbehauptung, Durchsetzung, sich in Bezugsgruppen positionieren und den eigenen Platz finden, sich selbst kennen bzw. kennenlernen, Selbstfindung, Selbstverwirklichung, Wachstum, Weiterentwicklung ...

9. Freiheit
Bedürfnis nach Ungezwungenheit, Leichtigkeit, Reaktions- und Wahlfreiheit, Freiraum, Autonomie, Mut, Gleichberechtigung, Risiko, Vielfalt, Inklusion und Unterschiede wahrnehmen und stehen lassen ...

9 Bedürfnisse nach M. B. Rosenberg 
1. Körperliches Wohlbefinden
2. Sicherheit
3. Liebe
4. Empathie, Einfühlung, Mitgefühl
5. Kreativität
6. Geborgenheit
7. Spiel, Erholung
8. Autonomie, Willensfreiheit
9. Sinn und das Bedürfnis nach einer Aufgabe


Rosenberg, M.: Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation. Auditorium-Netzwerk, Best.-Nr. 1780C, CD 7 von 8, Track 9, 1:58 – 5:44 min, Track 10 (0:00 – 4:25 min) und Track 11, 0:00 – 1:52 min
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

 Ich bin sinnstiftend, weil meine Bedürfnisse sinnstiftend sind.

Ich bin bedürfnisorientiert.
Ich liebe es, mir meine Bedürfnisse zu erfüllen.
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1.12 Wie kannst du deine Batterie aufladen und deine Willenskraft stärken?

  • Schon beim Aufwachen dankbar sein und die positive Energie einladen.
  • Versetze dich ein eine gute Stimmung. Entscheide dich dafür. Tue für dich etwas Gutes und dann auch noch etwas für jemand anderes. Kooperiere anstatt zu konkurrieren.
  • Diese Energie auf die Ziele des Tages richten und auf die Ziele der Zukunft. Denke auch daran, dir Pausen zu gönnen.
  • Solltest du Probleme haben, überlege, wie du sie lösen oder überwinden kannst, um Frust und Ängste abzubauen. Für Wut, Neid und andere negative Reaktionsmuster bist du verantwortlich.
  • Deine Werte und Bedürfnisse spüren. Entscheide dich mit Willenskraft sie zu leben und dich auf die Umsetzung deiner Werte und Bedürfnisse zu fokussieren und zu freuen. Konzentriere dich auf deine Stärken. Was willst du als erstes tun, auch wenn es dir nicht danach ist? Arbeite auch etwas an deinen Schwächen, um sie zu stärken. Sei gewiss, dass nach einer Lernphase eine Konsolidierungsphase stattfindet und du evtl. keine Fortschritte siehst. Das heißt nicht, dass du keine Willenskraft hast.
  • Gebe dir selbst Wertschätzung für das Geschaffte und wertschätze so oft wie möglich am Tag auch andere. Hole dir selbst so oft wie möglich positives und konstruktives Feedback ein, um deine Selbsteinschätzung zu stärken.
  • Trainiere dich in der positiven ausbalancierten Wertekommunikation und drücke deine Emotionen und Gefühle stimmig aus. Das gibt neue Kraft.
  • Trainiere dich täglich in Reframing und in Commitments. Neue Gedanken und Handlungen bringen eine neue Plastizität (Gehirnkarte in den entsprechenden Arealen) hervor.
  • Rechne mit Unsicherheiten und mit Unvorhergesehenes. Dinge passieren. Es ist die Frage: Wie gehst du damit um? Mache dich stark in der Ambiguitätstoleranz (Umgang mit Unsicherheiten).
  • Sinnstiftend denken und dich in positiven Glaubenssätzen trainieren. Frage dich: „Hat das, was ich tue, für mich und für andere einen eudaimonischen Sinn?“ Eudaimonie: über einen längeren Zeitraum mit anderen Sinn erfahren.
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1.13 Wie verbrauchst du deine Batterie und damit deine Willenskraft?

  • Morgens muffig aufstehen, keine Selbstverantwortung für den Tag übernehmen und nicht an die Dankbarkeit des Daseins denken.
  • Sich nicht gut um sich kümmern. Nur Kaffee trinken, keine Ordnung am Schreibtisch usw.
  • Die schlechte Stimmung aus Gewohnheit beibehalten und an alles denken, was du heute bewältigen musst, ohne Schritt für Schritt vorzugehen.
  • Sich Gedanken zu viele Sorgen machen, sich verzetteln, viele Dinge neu anfangen und nicht beenden.
  • Sich ständig als Opfer fühlen. Ständig die anderen zu Schuldige degradieren und sie anklagen. 
  • Schlecht über sich selbst und über andere reden.
  • Übersensibel bei Kritik reagieren. Keine Selbstreflexion und Wiedergutmachungsstrategien.
  • In Konkurrenz gehen und sich ständig vergleichen. Das ist eine Unglücksstrategie.
  • Wenig Selbstwirksamkeit entwickeln, weil du dich nicht als ein wichtiger Teil des Teams  - des Ganzen siehst.
  • Sich nicht für andere einsetzen.
  • Nie oder kaum Komplimente machen.
  • Nur reaktiv und nicht präventiv reagieren. Das verursacht Stress.
  • Sich ständig nach vorne drängen, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
  • Keine tiefgehenden Gespräche führen und keine Freundschaften pflegen.
  • Nie über Gefühle und die eigenen Bedürfnisse reden.
  • Sich verausgaben für andere. Selbstfürsorge ist ein Fremdwort …
  • Falschen Idealen nachrennen und keine eigenen Ziele haben und diese verwirklichen.
  • Sich selbst ständig in der Powerlosigkeit bestätigen.
  • Sein Äußeres vernachlässigen oder zu sehr die Aufmerksamkeit auf das Äußere lenken.
  • Immer perfekt sein wollen …
  • Gedanken der Endgültigkeit zulassen: Ich werde es nie schaffen ...
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

Ich bin jeden Tag voller Power.

 Ich spüre die authentische Willenskraft in mir.
 Ich bin dankbar jeden Tag meine Willenskraft für eine bessere und empathischere Welt zu spüren.
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2 Training I

2.1 Was liest du aus dem Kapitel heraus? 




    1. Wenn du eine Diskrepanz spürst, fühle hinein.
    2. Was könnte dein Bedürfnis sein?
    3. Frage dich, wenn du es kennst, wie du es dir erfüllen kannst?
    4. Wenn du es nicht kennst, dann spreche mit Freunde oder mit deinem WOL-Gruppe darüber, was es sein könnte oder hole dir professionelle Unterstützung
    5. Fühle nach, wie es sich anfühlt, wenn du dir deine Bedürfnisse erfüllst?
    6. Wie wäre es, wenn du das jeden Tag immer mehr und mehr tust bzw. wenn du immer mehr und mehr weißt, was du brauchst. Es ist manchmal auch wichtig, abzuwarten, bis die Zeit für die Erfüllung da ist. Wichtig ist, dass du dein Bedürfnis kennst. Das ist schon mal eine große Erleichterung.
     Sorge dafür, dass du, wenn die Zeit reif ist, dran denkst, es auch wirklich zu tun.
    7. Welche Erkenntnisse hast du aus diesem Bedürfnistraining?
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2.2 Was liest du aus dem Kapitel heraus? 




1. Ist GeRECHTigkeit ein Bedürfnis?
2. Recht auf was?
3. Wenn Gerechtigkeit kein Bedürfnis ist, was ist es dann?
4. Wie kannst du die Motivation nach Gerechtigkeit dann anders ausdrücken?
5. Diskutiere das Thema mit deiner RTC-Gruppe.
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2.3 Training zu den fünf Submodalitäten der Volition




  1. Lies die fünf Submodalitäten angelehnt an Pelz.
  2. Welche Gedanken gingen dir dabei durch den Kopf?
  3. Wie schätzt du auf einer Skala von 1 - 10 die einzelnen Submodalitäten bei dir ein?
  4. Suche dir eine oder zwei heraus und überlege, wie du sie verbessern kannst.
  5. Nimm dir Umsetzungen hierzu vor. Schreibe in den Zieletagebuch alles auf. Z. B. beim der ersten Submodalität: Aufmerksamkeitssteuerung: Zähle deine Fokussierungen am Tag. Wie oft bist du fokussiert dabei geblieben? Wie oft hast du dich ablenken lassen? Was kannst du beim nächsten Mal tun, wenn die Ablenkung kommt? Wann ist eine Ablenkung sinnvoll?
  6. Teste wie du dich fühlst, wenn du sie verbessert hast. Wie geht es dir, wenn du Angefangenes zu Ende machst?
  7. Finde für dich weitere Submodalitäten der Volition.
* 1 bedeutet „keine in Bezug auf diese Submodalität“ und 10 bedeutet „Sehr hohe Willenskraft in Bezug auf diese Submodalität“.
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

 Ich bin bereit, meine tiefste Bedürfnisperle zu finden und sie mir zu erfüllen.

 Ich fokussiere mich immer mehr auf lebensdienliche Bedürfnisse.
Ich bin lebensdienlich und frei zugleich.
 Ich trage die Schöpferkraft in mir.
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  1. Lese die aufgezählten Gründe zur Willenskraftstärkung und zur Willenskraftschwächung.
  2. Finde auf beiden Seiten weitere Gründe bzw. Argumente.
  3. Was fällt dir auf?
  4. Was machst du schon?
  5. Was willst du für dich optimieren?
  6. Schätze auf eine Skala von 1 - 10* deine Willenskraft ein. Arbeite 6 Wochen täglich daran und schätze dich erneut ein.
  7. Was hat sich geändert? Bist du risikofreudiger geworden?
  8. Wenn du möchtest, kannst du den Volitionstest
bei pelz.fuehrungskompetenzen.net/www/form/ident/Basic-copy durchführen.

Allein schon die Beschäftigung damit, verändert viel und schafft ein hohes Bewusstsein darüber.
* 1 bedeutet „keine Willenskraft“ und 10 bedeutet „Sehr hohe Willenskraft“.

Ebenso (Hör)Bücher von Hans-Georg Willmann (man beachte den Namen) zur Willenskraft und zur Zieleerreichung können dich dabei unterstützen, deine Willenskraft zu erhöhen.
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3 Werte - Werte - Werte

Der Begriff „Axiologie“ setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: „axia“ (αξια) = Wert und „logie“ (aus λόγος = lógos) = Lehre und bedeutet „Wertlehre“ oder „Die Lehre von den Werten“. Der Begriff „logie“ (logos) bedeutet auch: „Wort“, „Rede“, „Gehalt“, „Sinn“, „geistiges Vermögen“ und „Vernunft“ und sollte grundsätzlich etwas tiefgreifender und lateraler übersetzt werden.

Der Begriff „Axiologie“ ist erstmals durch den deutschen Philosophen Eduard von Hartmann (1842 – 1906) im Jahre 1890 beschrieben worden. Die Wertlehre gilt seither als „die Lehre vom Guten und Gerechten“. Nach dem böhmischen Philosophen Oskar (Oscar) Kraus (1872 – 1942) wurde sie bereits in der altgriechischen Philosophie gelehrt. Er sagt: „Axiologie ist die Lehre der vernünftigen Deutung sowie Kodifizierung von Worten, welche Werte begreifbar machen. Dies im Sinne von kulturellen und ethischen Maßstäben für eine größtmögliche Gemeinschaft“. Sie sind der Leitfaden des Lebens. Sie geben den Gemeinschaften Sicherheit und Freiheit zugleich, wenn sie im Mittelwert ausgleichend gelebt werden.



3.1 Was sind Werte?

In den 1980er Jahren hatte der Psychologe Shalom H. Schwartz zusammen mit Wolfgang Bilsky die Frage aufgeworfen, ob es universelle Werte gibt. Er entwarf ein Wertemodell und postulierte eine Anzahl von Werten, die alle Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen gemeinsam haben müssten. 

Sein Forschungsschwerpunkt lag dabei allerdings auf der Wertestruktur und deren motivationale Beziehung zueinander.

Das InterAction Council, eine Expertengruppe aus Politikern, Sozialwissenschaftlern und Vertretern weltweiter Religionsgemeinschaften erarbeitete eine möglichst umfangreiche Minimalsynthese, ausgehend von politischen Prämissen und einer Bestandsaufnahme weltanschaulicher und religiöser Ideale. 1997 wurden ethische Optionen für den Alltag als „Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten“ vorgelegt.

Weitere Ansätze sind das Projekt Weltethos von Hans Küng, die internationale Erd-Charta, die Diskursethik oder das Projekt Ethify Yourself. Roland Alton: Ethify Yourself. Mit neun Werten leben und wirtschaften. Online Buch, ethify.org, Kapitel Werte, abgerufen am 18. April 2014.


Allerdings werden global-ethische Perspektiven nicht ohne Kritik akzeptiert. J.-C. Kapumba Akenda: Kulturelle Identität und interkulturelle Kommunikation. IKO, Frankfurt/M. 2004, S. 166. 

2004 formulierte J.-C. Kapumba Akenda als Dilemma des ethischen Universalismus: Einerseits ist der weltweite Anspruch der Vernunft und der Gerechtigkeit und andererseits die Souveränität lokaler Gemeinschaften zu achten (siehe hierzu auch die unterschiedlichen Überzeugungen der „kalten und heißen Kulturen“.) Als „Bausteine des ethischen Universalismus“ schlug Akenda diesbezüglich die „Solidarität ohne Paternalismus“ und die „Kommunikation ohne Konsenszwang“ vor. Akenda 2004, S. 268ff und S. 285.

Deshalb sind Werte erstrebenswerte Wert- und Normvorstellungen einer Gesellschaft (von außen erwünscht und notwendig), die subjektiv und moralisch vom einzelnen und kulturell beeinflusst als gut bewertet werden oder mindestens als anpassungswürdig betrachtet werden. Beispiel: Ich will zwar nicht unbedingt pünktlich sein, bin es dennoch, weil es erwartet wird. Aufgrund der menschlichen Bedürfnisse nach Verbundenheit und Wachstum müsste es auch universelle Werte geben, doch die Erziehung der Menschen ist in unterschiedlichen Orten noch zu unterschiedlich, um dies auch als universell anerkennen zu können. Da viele Werte in der Kindheit im limbischen System landen, sind sie vielen Menschen unbewusst. Aus diesen unbewussten Werten resultieren unzählige Reaktions-, Kommunikations-, Verhaltens-, Denkmuster und Haltungsmuster, die zu weiteren Handlungsmuster und Charaktereigenschaften führen bzw. die Persönlichkeit eines Menschen oder einer Kultur prägen bzw. sie sogar etikettieren: Deutsche sind fleißig. 

Werte und Gegenwerte können jeweils in den Unwert kippen, wenn sie übertrieben werden. Positionierung in den Werten ist etwas anderes als die Werte cholerisch rauszuschreien. Werte sind erworbene Kompetenzen, Tugenden, Ideale, Eigenschaften, Prinzipien und Kernqualitäten, die sich in Form von Glaubenssätzen (Beliefs) verwirklichen. Je nach Glaubenssatzsystem können sie gelebt werden oder sie arten in negative Verhaltensweisen aus. Wem die Kompetenz „Mut“ fehlt, um Dinge anzusprechen, sollte genau diese Wertekompetenz noch ausbauen. Mit entsprechenden Glaubenssätzen, die in der Realität erfahrbar sind, könnte es machbar sein. Je nach Glaubenssätzen kann also ein Mensch oder eine Kultur zu einem empathischen / unempathischen Menschen bzw. zu einer empathisch / unempathischen Kultur führen.

Ist ein Verhalten inakzeptabel, wird beim Gordon-Modell zwischen Bedürfniskonflikt und Wertekonflikt unterschieden. Im Fall eines Bedürfniskonfliktes wird empfohlen, dass der Erwachsene „Ich-Botschaften“ senden soll, um somit seine Bedürfnisse zu kommunizieren. Im Fall eines Wertekonfliktes besteht das Problem, dass der Erwachsene dem Kind kein berechtigtes Interesse verständlich machen kann, weil das Kind vielleicht den Wert noch nicht verinnerlicht hat und nicht kennt. In diesem Fall werden „machtlose“ Wege der Konfliktlösung empfohlen im Sinne der Partizipation.


3.2 Wie sind Werte?


Werte sind allgemeingültig, relativ, fix-gesetzt, dynamisch, mehrdimensional, subjektiv, objektiv, unterschiedlich interpretierbar, entwertbar, überzogen, übertrieben, bewusst, unbewusst, rollenbedingt, erstrebenswert, beglückend, nützlich, fördernd, von Erwartungen abhängig ...


Sie sind für den einzelnen extrem wichtig, weil sie über Motive intrinsisch oder extrinsisch motiviert sind. Vielleicht auch universal? 

Doch das ist noch nicht endgültig nachgewiesen, denn sie entstehen durch Leitbilder und solange wir noch keine gemeinsamen Leitbilder weltweit haben, gibt es noch keine Universalität. Dennoch könnte die Menschheit sich dahin entwickeln. 

Werte sind auch antonym (gegensätzlich) und dies gilt es, zu inkludieren (Inklusion des positiven Gegenwertes, denn ein Wert ist erst dann ein wirklicher Wert, wenn auch der positive Gegenteil mitgedacht wird). 

Grundsätzlich werden Werte auf drei unterschiedlichen Ebenen wahrgenommen: 
SEIN, TUN und im HABEN. 

Sie unterliegen der ständigen Veränderung, weil Menschen sich durch das Wachstumsbedürfnis entwickeln wollen. Sie können in den Unwert kippen, wenn wir nicht aufpassen und unseren „blinden Fleck“ rechtzeitig ermitteln. Sie beeinflussen enorm unser Glaubenssatzsystem. 

Durch Bewusstwerdung der Werte können Menschen mit den identifizierten positiven Gegenwerten ebenso das unerwünschte Glaubenssatzsystem ins Konstruktive und Positive umpolen und dadurch in eine innere Identitätsbalance kommen. 

Durch ausgeglichenere Werte wird die Problemtrance eher verlassen und man sieht nicht immer gleich schwarz, wenn man mal negatives Feedback bekommt.

Beispiel I: "Ich kann auch mit negativem Feedback gut umgehen, weil ich trennen kann, was ist meins und was nicht." Hier habe ich schon inkludiert, dass es negatives Feedback gibt und wir uns nicht davon frei machen können. Es ist immer nur die Frage: Wie geht ich damit um?

Beispiel II: "Ich brauche nicht nur Rückzug, sondern auch Entgegenkommen!" Demnach braucht der Mensch, der sich im Rückzug befindet, am meisten die Überwindung, den anderen etwas Entgegenzukommen.

Werte sollte selbstverantwortlich und selbststeuernd sein. Sie sollen den Menschen beruhigen und nicht aufregen. Wer gut für sich sorgt, ist gelassener.

Meta-Satz: "Ich bin für meine Werte und Gefühle, die an meinen Werten „hängen“, selbst verantwortlich."
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3.3 Werte können von Regeln und Normen abgegrenzt werden. Was ist der genaue Unterschied?

Werte sind eher ein Orientierungsbegriff für das allgemein geltende „Richtige“, Gute und Wertvolle im Zusammenleben, während Regeln und Normen für das Zusammenleben als notwendig erachtet werden, um den Alltag zu bewältigen, aber auch um Alltagskonflikte zu vermeiden. Rigide Strukturen haben oft enge Regeln und es wird genau darauf geachtet, diese einzuhalten. 

Sich entsprechend höheren eingeschätzten Werten zu verhalten, bedeutet manchmal bestimmte Regeln- und Normen verletzten zu müssen. Spätestens jetzt gibt es die Regel- oder Werte- und Normkonflikte: D. h. die Differenz in den Werten muss besprochen und die Regel neu vereinbart werden. Regeln können je nach Situation und Gruppenzusammensetzung variieren oder außer Kraft gesetzt werden. Sie sollten also immer wieder an die konkrete Situation und an die Gruppe angepasst werden dürfen. Manche Kulturen legen weniger Wert darauf, dass im Gespräch ausgeredet wird. Dies zu berücksichtigen, trotz der Regel, wir lassen uns ausreden, kann viel entzerren.

Es darf und sollte jedoch immer mal wieder hinterfragt werden: „Was ist schon normal?“ „Wer bestimmt diese Normalität?“ Was früher unnormal war, wird immer mehr zur Normalität. Gleichgeschlechtliche Ehepaare dürfen heute heiraten und gesellschaftlich zumindest in den westlichen Länder wird die zweite Lebensgemeinschaft des dritten Geschlechts immer mehr anerkannt. Sind nur die Menschen ohne Behinderung normal? Sie die anderen tatsächlich „unnormal“? Ist nicht jeder ein bisschen ver-rückt? 

Je offener Menschen im Umgang mit Normen sind, desto weniger konfliktlastig ist ihr Alltag. Manche Regeln und Normen sind jedoch strikt einzuhalten, ansonsten gibt es systemische Konflikte oder droht Lebensgefahr. Im Straßenverkehr nicht bei Rot an der Kreuzung losfahren. Dies gilt zu unterscheiden und die Normen exakt zu vereinbaren sowie diese mit der Erwartung von Konsequenzen zu fixieren. 
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3.4 Warum sind Werte wichtig und wie werden sie erkannt?

Für das Gelingen des Zusammenlebens mit Mensch und Natur. Wer sich an seinen Werten orientiert und sich danach verhält, ist kongruent und glücklich, weil sie für die Bedürfnisbefriedigung und für den inneren Frieden relevant sind. Da die menschliche Natur voller Gegensätze ist, sind auch die Werte entgegengesetzt und wir leben in einer ständigen inneren Spannung zwischen verschiedenen Polarisationwerten. Diese zu kennen und auszubalancieren, ist für eine gelingende Wertekommunikation von größter Wichtigkeit.  Sie „dienen“ dem Menschen und sie helfen ihm, seine Selbstverwirklichung und Menschwerdung zu steuern. Sie sind Teil der menschlichen Identitätsgewinnung. Sie sind innere „Standorte“ für Werturteile gegenüber anderen und für wertvolle Lebensentscheidungen.

Ein Werturteil ist keine Verurteilung, sondern eine Wahl für seine Lebensorientierung zu haben und sich damit zu positionieren. Es ist die Wahl, eine neue Perspektive einzunehmen, wenn andere ihre Werte überziehen und diese dann nicht mehr der Gemeinschaft dienen. Werte brauchen Reflexion, weil sie kulturell entwertet werden können und Menschen zu Unwertausführungsmaschinen werden können.

3.5 Wertekategorien


Grundsätzlich lassen sich Werte in individuelle und kollektive Werte kategorisieren. Es gibt:


  • Materielle Werte (Güter …)
  • Immaterielle geistige Werte (Bildung …)
  • Kulturelle Werte (Anstand, Höflichkeit …)
  • Moralische und sittliche Werte (Gesinnungen wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit …)
  • Individuelle und psychologische Werte (Selbstempathie / Impathie, Körperliebe, Selbstliebe, Selbstfindung …) 
  • Soziale Werte (Gefühlsbewusstsein, Empathie, Mitgefühl, Altruismus, Chancengleichheit …)
  • Biologische Werte (Arterhaltung, Umweltschutz …)
  • Technische Werte (Optimierung, Effektivität …)
  • Medizinische Werte (Gesundheit, Prävention …)
  • Wirtschaftliche Werte (Produktivität, Wohlstand, Erfolg, Meisterschaft, Expertentum …)
  • Wissenschaftliche Werte (Forschung, Analyse ...)
  • Künstlerisch-ästhetische Werte (Kreativität ...)
  • Religiöse und spirituelle Werte (Wunsch nach Weltempathie, Glaube, Transzendenz …)
3.6 Ausdruck der Werte auf verschiedenen Ebenen

  1. Persönliche Ebene
  2. Kollektive Ebene (Soziales Umfeld - Familie, Beruf, soziale Gruppen, soziales Feld ...)
  3. Eigenes Land, Kultur und Nation(en)
  4. Ganze Gesellschaft (die Menschheit)
  5. Gemeinschaft aller Individuen (Tiere und Pflanzen)
  6. Ganzes Universum (Planet, Materie, physikalisch, spirituell und göttlich).
In den nächsten Unterkapitel gehe ich auf 1 und 2 an. Gerne kannst du die Punkte 3 - 6 ergänzen oder mache dir kurz darüber Gedanken.

3.7 Persönliche Ebene - das individuelle Wertesystem

Vom individuell geprägten Wertesystem ist es abhängig, wie die anderen Werteebenen sich auswirken.
Jeder Mensch besitzt ein eigenes Konstrukt aus Wert- und Normvorstellungen, die seit seiner Geburt ihm mitgegeben (in die Wiege gelegt) wurden. Das durften wir, das sollten wir, das müssen wir, das konnten wir … 
Werte sind Gedankenkonstrukte, die uns wichtig sind, weil sie uns durch eine Bildungsgemeinschaft und manchmal auch Drill und Anpassungszwang nahegelegt wurden. Auch im Erwachsenenstadium werden diese Gedankenkonstrukte oft nicht ausreichend oder gar nicht reflektiert. Viele Menschen machen sich über die eigenen Wert- und Normvorstellungen nur unzureichende Gedanken, insbesondere in der Interaktion mit anderen Menschen. Wir haben oft eine Differenz in den Werten, wenn etwas in der Kommunikation schief läuft. Diese Differenz zu kennen und zu äußern, ist ein Schritt in Richtung Versöhnung, weil Werte besser nachvollziehbar sind, wenn wir sie erklären.

Gerade in Bezug auf Integrität ist es, wichtig zu wissen, welche Werte wir vertreten und wir leben möchten. 
In kollektiven Systemen ist es empfehlenswert, regelmäßig nach den persönlichen Werten jedes Einzelnen zu fragen und darüber zu diskutieren, was jede/r darunter versteht und was er / sie braucht, um sich in seinen / ihren Werte zu positionieren. Viele stehen nicht zu ihren Werten und missachten ihre eigene Werte permanent. Das führt oft zu Frustrationen, Burnout und Depressionen. Durch die Auseinandersetzung werden die eigenen Werte wieder bewusster, sie werden transparenter nach außen transportiert, gegenseitige Erwartungen werden besser wahrgenommen und in Team-Prozessen können Positionierungen und Entwicklungen stärker berücksichtigt werden.


3.8 Was tun Werte auf der persönlichen Ebenen?

 Werte richten unseren Fokus auf das aus, was wir wirklich wollen. Werte helfen bei der Orientierung der Planung und Zielfindung. Werte unterstützen uns, die richtigen Verbündeten zu finden, welche simultane oder ähnliche Werte haben. Werte lassen die anderen auch bei gegenteiliger Meinung gut aussehen. Werte schaffen die Basis für Loyalitäten.
  • Werte geben uns Kraft.
  • Werte hinterlassen Spuren.
  • Werte bringen uns in Verbindung mit uns selbst und mit anderen. 
  • Werte geben unserem Leben Sinn und Bedeutung.
  • Werte machen uns frei.
  • Werte bewirken Tiefenwissen und –handeln. Das Leben ist zu kurz, um nicht das zu tun, was uns wirklich in der Tiefe glücklich macht.
  • Werte machen das Unbegreifbare begreifbar.
  • Werte beschleunigen den iterativen Prozess der Selbstwerdung.
3.9 Kollektive Ebene

Für die kollektive Ebene brauchen eine Werteethik. 

Werteethik ist ein zusammengesetztes Wort und somit eine konkretisierte Form der Ethik, in der Richtlinien und Normen für das „sittliche Handeln“ als Werte interpretiert werden. Als Begründer des Begriffs „Wertethik“ gilt heute Franz Clemens Brentano (1838 – 1917), ein deutscher Philosoph, Psychologe und Begründer der Aktpsychologie. Er beeinflusste Edmund Husserl (1859 – 1938) und Sigmund Freud (1856 – 1939).

Durch globale Leitbilder in Form von dehnbare Regeln, Satzungen, Leitbildern, Gesetzen, Überzeugungen und Wertvorstellungen etc.), die nach außen transparent gezeigt werden, könnten Menschen friedlich zusammenleben, wenn es für jedes einzelne Mitglied klar ist, wie weit der individuelle Spielraum geht, so dass sich jeder daran orientieren kann. Dies würde dann auch für die Nationen gelten. Die Schnittmenge der gemeinsamen Werte variiert jedoch sehr stark, weil diese globalen Leitbilder fühlen. Sie liegen oft in den meisten Fällen über 50% und im Idealfall über 80%. Viele Bildungsinstitutionen, Unternehmen, soziale Organisationen, Parteien, USA, BRD, EU, NATO, UN (Vereinten Nationen) usw. haben Leitbilder.
Gruppen und Teams, wenn die Schnittmenge passt, können viel bewirken (siehe U-lab und Encounter-Empathiegruppen).


3.10 Antonyme Werte und Unwerte

Werte können antonym ausgedrückt werden auf der positiven, aber auch auf der negativen Seiten (siehe Werteentwicklungsquadrat). Es gibt zu jedem Wert einen gegensätzlich motivierten Wert. Es ist wichtig, die gegenseitigen Pole ausbalanciert zu leben. Wer nur ein Pol vertritt, der könnte den anderen im Gespräch bis aufs Blut reizen. Beispiele von positiven Werten:

Agilität – Besonnenheit / Ruhe
Vertrauen – Vorsicht
Mut – Zurückhaltung
Freiheit – Verantwortung / Sicherheit
Innovation – Tradition / Konservativ
Intuition – Realismus
Empathie – Selbstempathie 
Mitgefühl – Selbstmitgefühl / soziale Integrität
Großzügigkeit – Sparsamkeit
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

 Ich wertschätze auch meine positiven Gegenwerte.

 Ich wertschätze auch meine Unwerte, weil sie mich in das Bewusstsein der Werte zurückbringen.
Ich bin vielperspektivisch - durch meine neue Kompetenz, Werte durch vier zu teilen.
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3.11 Sich mit den Gegensätzen und Ambivalenzen befreunden, geht auch in Verbindung mit dem inneren Team und dem Werteentwicklungsquadrat


Die Gegensätze und Ambivalenzen haben noch keine Harmonie miteinander. In Hinsicht auf unterschiedliche Wesenszüge / innere Teammitglieder wie z. B. 1. Menschlichkeit und 2. Professionalität braucht es eine Synergieleistung, denn der zerstrittene innere Haufen muss erst bewältigt und in authentischer Harmonie zusammengebracht werden.

Ziel dieser Übung: Mit sich selbst in guter Gesellschaft zu kommen und in Einklang zu kommen. Mit sich selbst befreundet zu sein. In herausfordernden Situationen alle „beisammen“ zu haben. Ein Referent braucht z. B. eine ordnende Hand als ein Teammitglied in seiner inneren Mannschaftsaufstellung. Er braucht auch einen Herzlichen und einen Abgrenzungsfähigen. Wenn wir ihn nicht hätten, würde die Gruppe das Zepter übernehmen. Er braucht auch den Humorvollen … ohne das, wäre der Referent langweilig usw.

Kennst du schon deine Gegensätze und Ambivalenzen? Male ein Mensch wie im unteren Bild im Spagat (Strichmännchen geht auch!): Schreibe oder Male zu deinen jeweiligen inneren Teammitglieder auch deine Gegensätze und Ambivalenzen. Kannst du sehen, dass es Kompetenzen sind? Was brauchst du, um sie annehmen zu können? Was könntest du als "Chef" zu deinen Gegensätzen und Ambivalenzen sagen? Siehst du die Vorteile von beiden Gegensätzen? Ist dein Gegensatz ausschließlich negativ für dich? Wenn es so ist, dann bist du im Unwert. Wie kannst du den Wert deines Unwertes finden? 

Bringe deine Frage in das Präsenzseminar oder diskutiere es in der RTC-Gruppe.
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Zum besseren Verständnis folgt nun ein Erklärix.
 
4 Training II

4.1 Gegenwerte körperlich spüren

Jeder Wert hat einen Gegenwert. Dazu mehr bei Schulz von Thun in Modul 2, Lektion 3. Jeder stellt sich einen Unwert (ein negatives Reaktionsmuster) vor und spielt ihn mit jemand anderes nach (siehe Bilder).
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4.2 Wertestern gestalten



Mache die Übung mit deinem aktuellen emotional wichtigsten Wert oder mit deinem Bedürfnis mit der höchsten emotionalen Besetzung
  1. Spüre in dich hinein. 
  2. Was fehlt dir gerade am meisten? Ist es die Loyalität? Ist es die Kooperation? Ist es die Liebe zu deinem Körper (Körperliebe)? Ist es die Selbstempathie oder das Selbstmitgefühl?
  3. Dann gestalte einen Loyalitäts- / Kooperations- / Körperliebe / Selbstempathiestern oder ein anderer dir wichtiger Wert / dir wichtiges Bedürfnis.
  4. Finde zu den Sternspitzen sekundäre Werte (Assoziationswerte).
  5. Konzipiere passende Glaubenssätze zu deinen entdeckten sekundären Werten …
  6. Schreibe diese um die Spitzen herum. Hilfreich sind auch Inklusionsglaubenssätzen mit den Gegenwerten.
  7. Was kannst du tun, damit dieser Stern im Alltag leuchtet?
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

 Ich weiß, dass auch das Gegenteil in mir wahr ist.

 Ich bin mir selbst treu (werte- und bedürfnistreu).
 Ich positioniere mich mit meinen Werte, ohne sie zu übertreiben oder zu entwerten.
 Ich kenne den Umkehrpunkt ... wenn der Wert in einen Unwert kippt und halte inne, um mich mit einer Selbstempathiepause zu reflektieren.
 Ich konzipiere gerne neue Glaubenssätze mit den mir bewusst gewordenen Werten und Bedürfnissen.
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4.3 Über Werte sprechen und Gegenargumente finden




  1. Schaue dir die Wertekategorien an.

  2. Welcher Lebensbereich liegt dir gerade am Herzen?

  3. Schreibe dir die Werte, die dir spontan einfallen auf.

  4. Gerne kannst du auch Wertekarten oder die Werteliste benutzen. Ergänze folgende Sätze:

  • Ein großer uns sehr bedeutender Schritt, um diese Werte zu erfüllen, wäre ...

  • Ein kleiner uns unbedeutender Schritt, um diese Werte zu erfüllen, wäre ...

  • Andere Schritte, die dazwischen liegen, sind ...

  • Auch das Gegenteil ist wahr, finde die Gegensätze zu den Argumente und schreibe auch auf warum auch das Gegenteil stimmen könnte ... Selbst wenn es nur ein schwaches Argument ist, es ist ein Argument, um später besser nachvollziehen zu können, wie es der andere meinst.
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4.4 Bedürfnis- und Wertetraining: Unfairness inkludieren




  1. Denke an eine ungerechte für dich unfaire Situation …
  2. Welche Gedanken löst diese Situation in dir aus?
  3. Welche Gefühle löst diese Situation in dir aus? Wenn es unstimmige Diskrepanzgefühle (Ersatzgefühle) sind, dann breche sie nochmals in stimmige Diskrepanzgefühle herunter. Manchmal kommt man von einer Bewertung in die andere und nicht gleich zum stimmig-authentischen Gefühl.
  4. Finde anhand des stimmig-authentischen Gefühls das unerfüllte Bedürfnis oder den unbeachteten Wert. Dieses stimmig-authentische Gefühl wirkt wie ein Radar zu deinem unerfüllten Bedürfnis oder zu dem dir wichtigen jedoch missachteten Wert. Spüre in dich hinein. Oft ist es eine Angst oder eine Verletzung ...
  5. Bilde mit deinen gefundenen jedoch frustrierten Bedürfnissen neue Glaubenssätze (neue Denkebene). Inkludiere das Ungerechte / Unfaire in deinen Glaubenssatz gleich mit. Manchmal hilft es Auch-Sätze zu bilden. Oder fange mit dem Wort "gerade". Beispiel: "Auch wenn es unfair ist, bin ich liebenswert.", "Gerade aus unfairen Situationen lerne ich durch Tiefenreflexion positive Strategien des Umgangs mit der Situation."
  6. Sage in positiver Weise, auch anderen was dir wichtig ist.
  7. Welche Erkenntnisse ziehst du aus diesem Training?
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

 Ich liebe meine Selbstwirksamkeit (Übrigens ist das eines meiner wichtigsten Glaubenssätze!)

Ich kultiviere meine Sinnwirksamkeit.
Ich genieße täglich meine Tunwirksamkeit.
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5 Werte- und Bedürfnisbewusstsein - was bringt uns dieses Wissen?

Die Erkenntnis, dass universale Bedürfnisse und evtl. auch Werte Menschen und Kulturen miteinander vereinen könnten. 

Das Wissen darüber ist gut, 
  • um Polarisierungen in Diskussionen zu wahrzunehmen,
  • um sich selbst und den anderen besser einschätzen zu können,
  • um eigene Fehlinterpretationen der Meinung anderer zu erkennen,
  • um weg vom „Entweder-Oder“ hin zu „Sowohl-als-auch“-Haltung zu kommen,
  • um die Neigung, sich selbst als Wertverkörperung zu sehen, den Konfliktpartner hingegen nur in seiner Fehlhaltung zu sehen, leichter zu durchschauen,
  • um Vorwürfe zu durchschauen und um Unwerte leichter zu entlarven,
  • um schneller herauszufinden, welcher Wert (positive Absicht) hinter dem Unwert / Vorwurf / Angriff / Interpretation / Vermeidungsverhalten steckt? 
Finde für dich noch weitere Gründe.

Das Wissen darüber ist gut, um ... 

Die Inklusion (Annahme / Erlaubnis …) der entgegengesetzten Werten kann oft erst NACH der Konfrontation der Diskussionsparteien vollzogen werden, damit alle sich wiederfinden können und nicht zu vorschnell eingelenkt wird. Die Gewichtung der Werte ist im Gespräch – im Aushandlungsprozess – zu erkunden – eine Allparteilichkeit einnehmen, um den Mittelwert zu finden.

Das Training der ausgleichende Werte und Eigenschaften, beruhigt das eigenen System, denn jede Tugend, jede Eigenschaft, jeder Wert, jedes Bedürfnis und Potenzial, jede Ressource und Qualität, die übertrieben und überzogen wird, wird entwertet uns selbst. Ein Unwert, eine Untugend wird zum Laster, zu einer nicht hilfreichen Eigenschaft, zu einem negativen Verhalten bzw. zu einer unangemessen Kommunikation in Form von Vermeidung, Angriff, Tratschen, schlecht Reden, Manipulation, Verleumdung, üble Nachrede, Mobbing u. v. a.


Daher braucht es auch zum Wert ,Kommunikation‘ als positiver Gegenpol die Kultivierung des Wertes "Stille", "Ruhe", "Reflexion", "Abgeschiedenheit", "Zurückgezogenheit" sowie das "bewusstes Schweigen". Manchmal ist Schweigen Gold und manchmal nicht. Der Mittelwert (die dritte Qualität) könnte eine Kommunikation sein, mit einem ,taktvollen Ansprechen‘, das beziehungsgebunden und weniger verletzend auf die Person und Kultur wirkt. Beleidigen wir eine Kultur, dann beleidigen wir immer auch eine Nation.

Ein Werte- und Bedürfnisbewusstsein setzt ein Emotions- und ein Gefühlsbewusstsein voraus. An den Unwerten hänge die unstimmigen Gefühlen dran. Sobald wir wissen, wie wir uns fühlen, spüren wir auch unsere Bedürfnisse und Werte. Es ist, der Moment, in dem wir beginnen zu sagen, was wir wollen und wünschen und nicht weiter interpretieren, was bei anderen nicht stimmt. Es ist, der Moment, in dem wir beginnen, hinzusehen, wie wir uns wirklich fühlen (Primärgefühle) und was wir wirklich brauchen.
Oft ist das ein blinder Fleck aus dem wir handeln. Wir können lernen, ihn zu erkennen und aus der positiven Absicht heraus handeln.


Es ist der Moment, wenn wir aufhören, zu interpretieren und bereit sind, die unstimmigen Gefühle in stimmige wahrzunehmen (Selbstempathie) und auszudrücken (Selbstmitgefühl) und keine unstimmigen Interpretationsgefühle bewusst mehr zulassen. Es ist der Moment, indem wir lernen, zu sagen, dass Verletzlichkeit Stärke ist und dass Unsicherheiten zum Leben dazugehören, wie die Luft zum Atmen.
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Verinnerliche folgende Meta-Sätze:

Ich priorisiere meinen Werte. Nicht alles ist gleich wichtig.

 Ich kooperiere gerne.
Ich kann auch Bedürfnisse zurückstecken, um sie mir später zu erfüllen..
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Literaturhinweise

Antonovsky, Aaron (1997): Salutogenese, Zur Entmystifizierung der Gesundheit, Tübingen: Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Deutsche erweiterte Herausgabe von Alexa Franke.

Friesinger, Theresia (2012): Die Praktische Inklusive Kommunikation, Mit Wertebewusstsein zur inneren Freiheit, Die Innere-Dialog-Methode / Unbewusste Bedürfnisfindungsmethode / Zone of Excellence / Second Skin und weitere 1001 Anregungen zur 180 Grad Wendung glückshinderlicher Gefühle, Das Praxisbuch für mehr Gesundheit, inneres Wohlbefinden und Gleichgewicht, Reutlingen: Papermoon-Verlag.

Petzold, Dierk, Theodor (2011): Kommunikation mit Zukunft, Salutogene und Resonanz, Bad Gandersheim: Verlag Gesund Entwicklung. c/o Zentrum für Salutogenese.

Petzold, Theodor Dierk (2017): Schöpferische Kommunikation, Theoretische Grundlagen ganz praktisch, Teil A, Bad Gandersheim: Verlag Gesunde Entwicklung, c/o Zentrum für Salutogenese.

Rosenberg, Marshall B. (2010): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Gestalten Sie Ihr Leben, Ihre Beziehungen und Ihre Welt in Übereinstimmung mit Ihren Werten, Paderborn: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, 9. Auflage.

Reiss, Steven (2010): Das Reiss Profile. Die 16 Lebensmotive: Welche Werte und Bedürfnisse unserem Verhalten zugrunde liegen.

Schulz von Thun, Friedemann (2003): Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Differentielle Psychologie der Kommunikation, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 23. Auflage, Erstausgabe 1989.